Home > Aktuell informiert > Praxisanleiter sind ein Gewinn für Einrichtungen der Pflege

Praxisanleiter sind ein Gewinn für Einrichtungen der Pflege

Praxisanleiter sind ein Gewinn für Einrichtungen der Pflege

Praxisanleiter in der Pflege schultern die Betriebsverantwortung für eine gute generalistische Pflegeausbildung.

Sie sind Wissensquelle, Vorbild und empathische Azubi-Versteher, sind unentbehrlich für die Einrichtung, für Patienten und Bewohner, letztendlich für unsere Gesellschaft.

So wichtig für die Pflege mit chronischem Personalmangel, schwierigem Ruf zum Thema „Berufsattraktivität und Familienplanung“ und anhaltendem Personalwechsel. Auszubildende in der Einrichtung haben sich schon für die Pflege entschieden, nun müssen sie auch bleiben können. Eine gute Ausbildung spielt dabei eine große Rolle.

Seit 01.01.2020 ist in der Pflegeausbildung alles anders – und ich möchte behaupten, alles besser – hier in Kürze:

Die Vorteile durch den Einsatz von ausgebildeten Praxisanleitern
  1. Die Mitarbeiter, die sich für diese Aufgabe melden, brennen auch dafür und tragen die Verantwortung gerne
  2. Die Grundausbildung zum Praxisanleiter und die jährliche Auffrischung sorgen für Qualitätssicherung bei der Wissensvermittlung, praktischen Anleitung und Ausbildungsbegleitung von Pflegeschülern
  3. Die Einrichtung hat kompetenten Fachkräfte-Nachwuchs am Ende der Ausbildungszeit, der sich in der Einrichtung auskennt und bei Übernahme eine Bereicherung fürs Team ist
  4. Entlastung im Arbeitsalltag auf den ausbildenden Stationen und Wohnbereichen bei der Praxisbegleitung von Grund- und Behandlungspflegeleistung. Vielen Mitarbeitern fällt es schwer „nebenher“ Auszubildende anzuleiten, das fällt nun weg.
  5. Förderung der persönlichen Entwicklung von Auszubildenden d.h. auch Ansprechpartner sein für Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, in manchen Teams. Entlastung und Konfliktprophylaxe gehen auch hier zum Aufgabengebiet von Praxisanleitern
Einige Grundlagen für die Veränderung seit 01.01.2020
  • für die generalistische Pflegeausbildung sind 2100 Std. Theorie und 2.500 Std. Praxis in 3 Jahren vorgesehen, Abschluss mit einer staatlichen Prüfung. Die Praxismodule teilen sich auf in der Stammeinrichtung und – im Ausbildungsverbund – in anderen Einrichtungen.
  • seit 2020 wird diese generalistische Pflegeausbildung über die Länderfonds finanziert, in die alle Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser einzahlen. Träger der praktischen Ausbildung erhalten aus diesem Topf dafür die erforderlichen finanzielle Mittel.
  • so ergibt sich auch die Rechnung, dass pro 20 Auszubildende 1 Vollzeitpraxisanleiter vorgehalten werden muss. Bei diesem klaren Berechnungsrahmen gibt es noch einige Grauzonen (zu viele Azubis und zu wenig Anleiter), wie ich in meinen Seminaren erfahre. Praxisanleiter müssen im Bundesland angemeldet, 300 Std. qualifiziert sein und nehmen zur Qualitätssicherung jährlich an 24 Std. Auffrischungskursen teil. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch hier die Regeln eingehalten werden können.
  • Neues Programm für 24 Std. in 2023
Aufgaben der Praxisanleiter
  • Ein Praxisanleiter ist zuständig für die Ergänzung der fachtheoretischen Ausbildung in den Schulen. Praxisanleiter mit ihrer Form der Wissens- und Kenntnisvermittlung sind Teil der Methodenlehre in der Berufs- und Pflegepädagogik. Die Herausforderungen sind hoch – aus den unterschiedlichen Gesichtspunkten, deshalb ist die regelmäßige Qualifizierung wichtig.
  • In betriebseigenen Stellenbeschreibungen für Praxisanleiter wird das Aufgabengebiet klar beschrieben. Damit hier Theorie und Praxis nicht zu weit auseinanderdriften muss, darauf geachtet werden, dass die Praxisanleiter die passende Anleitungszeit (Anzahl der Azubis) zur Verfügung haben.
  • Der uns allzeit bekannte Personalmangel bedingt, dass die Realität jedoch ganz anders aussieht: in meinen Seminaren höre ich häufiger, dass Pflegefachkräfte „auch“ Praxisanleiter sind und geplante Anleitungen werden gestrichen zugunsten von Personalengpässen. Dies sind nicht nur Einzelfälle – wenn ich von meinen Seminaren ausgehe.
    meine Hinweis, wenn Praxisanleiter zu wenig Zeit haben
    Auszubildende, die mit Zeitmangel angeleitet werden, von Mitarbeitern die keine berufspädagogische Anleitung hatten, werden zu Mitarbeitern, die suboptimal für ihren Beruf vorbereitet sind. Und das trifft uns alle, falls wir Patienten/Bewohner werden. Einzelfall aus der Seminarpraxis, O-Ton einer Praxisanleiterin in dieser Woche: „für die eigenen Azubis bleibt zu wenig Zeit, so zeichnen wir Tätigkeiten ab, die wir nicht angeleitet haben und die Anleitung der Fremdschüler fällt komplett flach“ (natürlich werde ich den Kunden nicht nennen können, da ich dort einige Seminartage/Jahr unterrichte und klar die Verschwiegenheitsklausel beachte)
AEVO? oder Praxisanleiterausbildung? Gibt es einen Unterschied?
  • Die AEVO – Ausbildungseignungsverordnung ist das zentrale Instrument zur Qualifizierung der Ausbilder eines Betriebs, sie regelt in der aktuellen Fassung von 2009 die selbständige:
    • Prüfung der Ausbildungsvoraussetzungen
    • Planen und Vorbereiten der Ausbildung
    • Mitwirken bei der Einstellung von Auszubildenden
    • Durchführung und Abschluss der Ausbildung begleiten
    • Empfohlene Qualifizierungszeit 120 Stunden.
  • Praxisanleiter brauchen lt. Pflegeberufegesetz (PflBG) seit 01.01.2020 eine berufspädagogische Zusatzqualifikation von mindestens 300 Stunden und für ihre anhaltende Zulassung eine jährliche Auffrischung zu berufsrelevanten Themen von 24 Stunden.

So gut strukturiert war es früher nicht. Wie sah die Ausbildung in der Pflege früher aus, welchen geschichtlichen Hintergrund hat die Pflegeausbildung?

Zurückschauen ist gut, denn es macht dankbar für das, was alles in der Entwicklung der Pflegeausbildung geschehen konnte. In vielen Ländern der EU gibt es ähnliche Bestrebungen, weltweit gesehen ist eine strukturierte Entwicklung der Pflegequalität jedoch (noch) langsamer, als bei uns.

  • Die jüngere Geschichte der Pflegeausbildung im deutschsprachigen Raum lässt sich ca. 150 Jahre zurückverfolgen (Masterarbeit). Damals ein Frauenberuf ohne spezielle Qualifikation. Schnell wurde klar, dass die zunehmende Professionalisierung der Medizin ohne eine entsprechende Pflegequalität, nicht zum erwünschten Heilerfolg führt. 1903 gründete sich dazu der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe e. V. (DBfK). 1914 wurden die ersten Regelungen niedergeschrieben mit einer zweijährigen Pflegeausbildung, in Theorie und Praxis. Bis zur Krankenpflegeverordnung 1973 gab es dann inhaltlich wenig Änderung in der Pflegeausbildung. Ab 1972 regelte die verbesserte Qualifizierung der Pflege auch die Ausbildereignungsverordnung (AEVO).

Hier beginnt auch die Geschichte der Praxisanleitung, wie wir sie heute kennen.

24 Std. Auffrischung, neues Programm in 2023

  • Der dann folgende Paradigmenwechsel in den 80er Jahren hat viele Entwicklungen beschleunigt: Pflegekräfte hatten mehr Mitspracherecht, Pflegequalität wurde immer wichtiger, es startete die Pflegeforschung. 1992 gründete sich das Deutsche Netzwerk für Qualitätssicherung in der Pflege (DNQP) als Antwort auf die Forderung der WHO „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“. Passend dazu wurde in dem Jahr auch der erste Expertenstandard veröffentlicht „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“.
    2017 folgte das Pflegeberufereformgesetz, das seit 2020 rechtskräftig umgesetzt wird. Bis 2021 galt die Vorgabe, dass auch Betriebe und Institutionen die Altenpfleger/ innen ausbilden, mindestens einen Mitarbeiter nachweisen müssen, der über einen AEVO Schein verfügt.
    Das fällt nun weg.

(Diese Zusammenstellung greift wichtige Ereignisse auf, erfüllt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.)

Gesetzliche Grundlagen der Pflegeausbildung/Praxisanleitung
  • Gesetz zur Reform der Pflegeberufe (Pflegeberufereformgesetz) 2017
    Seit 2020 ist somit das Krankenpflegegesetz und das Altenpflegegesetz abgelöst durch die gesetzliche Regelung für die generalistischen Pflegeausbildung
  • § 4 – Pflegeberufe-Ausbildungs- und -Prüfungsverordnung (PflAPrV) Praxisanleitung
  • Praxisanleiter müssen durch die Einrichtung angemeldet werden, Beispiel Berlin
Zusammenfassung und meine Einschätzung:

Seit 150 Jahren ist die Pflege einen weiten Weg gegangen, hat viele Veränderungen erfahren. Wer lange in der Pflege arbeitet, kennt diese anhaltenden Änderungen und verhält sich abwartend. Denn auch jetzt, mit der generalistischen Ausbildung seit 01.01.2020, werden manche Errungenschaften bleiben, manche wieder verändert werden.

Wir brauchen etwas Geduld, vielleicht weitere 2-3 Jahre, dann wird die Pflegeausbildung, wie im dualen System der allgemeinen betrieblich-berufliche Ausbildung auch, ordnungspolitisch, curricular und didaktisch geregelt sein.

Die Arbeit der Praxisanleiter ist dabei sehr bedeutsam und wichtig. Notwendig ist jedoch auch, dass die vorgeschriebene Anleitungszeit zur Verfügung steht. Erst dann sehen wir die Vorteile und den Erfolg dieser Veränderung dauerhaft.

Das Programm für meine jährlichen Auffrischungskurse ist interessant und bei Teilnehmern beliebt – probieren Sie es aus: