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Menschen mit Demenz vergessen zu essen

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„Nehmen Sie das weg, das habe ich nicht bestellt!“

Ein Satz der häufiger vorkommt, denn Menschen mit Demenz fühlen sich im Speisesaal des Pflegeheims wie in einem Restaurant. Sie sitzen mit Menschen zusammen, die sie nicht kennen. Es werden Gerichte an den Tisch gebracht, die sie nicht bestellt haben (weil die Auswahl schon mehrere Tage zurück liegt)

Jede Pflegekraft, jeder Betreuer in der Altenhilfe bei der Versorgung von Menschen mit Demenz, kennt die Teamgespräche zur individuellen Lösungsfindung. Einzelne Bewohner nehmen massiv ab, wandern ruhelos und tauchen ohne Einladung nicht bei den Essenszeiten auf, andere stehen während des Essens einfach auf und gehen. Eine gute Angehörigeninformation – auch als Grundlage für ein Beratungsgespräch – hier>>>

Menschen mit Demenz vergessen zu essen. Verschiedene Gründe sind überlegenswert:

  • Gedächtnisprobleme: Demente Menschen können vergessen, ob sie bereits gegessen haben oder nicht. Sie können vergessen, was sie gegMedikamenteneinnahme: essen haben oder welche Mahlzeiten zu welcher Zeit eingenommen werden sollten.
  • Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten: Demente Menschen können Schwierigkeiten haben, sich auf komplexe Aufgaben wie das Zubereiten von Mahlzeiten zu konzentrieren. Auch das Erkennen von Hunger oder Durst kann schwierig werden.
  • Veränderungen im Appetit: Veränderungen im Gehirn können auch zu Veränderungen im Appetit führen. Einige Menschen mit Demenz können den Geschmack von Lebensmitteln nicht mehr richtig wahrnehmen oder finden sie nicht mehr so attraktiv wie früher.
  • Medikamenteneinnahme: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Demenz eingesetzt werden, können den Appetit reduzieren oder das Hungergefühl beeinträchtigen.
  • Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme: Demente Menschen können auch Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken haben, was das Essen unangenehm oder sogar schmerzhaft machen kann.

Was können wir tun, wenn demente Menschen vergessen zu essen?

Generelle Überlegungen und Lösungsansätze

Demenz und Mangelernährung sind zwei ernsthafte Probleme. Hier sind einige Ideen, die helfen können:

  • Regelmäßige Überwachung: Es ist wichtig, dass Angehörige und Pflegekräfte von dementen Menschen regelmäßig deren Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme überwachen. Hierfür kann ein Ernährungstagebuch hilfreich sein. Die regelmäßige Gewichtskontrolle darf nicht fehlen.
  • Kleine und häufige Mahlzeiten: Personen mit Demenz können Schwierigkeiten haben, größere Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Stattdessen können kleine und häufige Mahlzeiten oder Snacks hilfreich sein. Ein höherer Kalorien- und Eiweißgehalt in den Snacks hilft.
  • Leicht verdauliche Nahrungsmittel: Personen mit Demenz können Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken haben. Leicht verdauliche Nahrungsmittel wie Suppen, Breie oder Pürees können helfen, den Nährstoffbedarf zu decken. „Eat by Walking“ kann ausprobiert werden.
  • Nahrungsmittel werden nicht mehr erkannt: deshalb ist es wichtig Anreize zu schaffen, Personen mit Demenz können den Appetit verlieren oder das Interesse am Essen verlieren. Anreize wie ein ansprechend angerichtetes Essen oder das Essen in Gesellschaft können helfen, den Appetit anzuregen. Auch die Verwendung von farbigen Tellern oder das Anbieten von besonders ansprechend angerichteten Speisen kann den Appetit anregen. z.B. pürierte Kost in Silikonformen, mein Beispiel „Bratwurst“, gefärbt mit Nahrungsmittelfarbe wie rote Beete

Es ist wichtig, dass Angehörige und Pflegekräfte von dementen Menschen eng mit einem Arzt und Ernährungsexperten zusammenarbeiten, um die bestmögliche Versorgung sicherzustellen.

1. Menschen mit Demenz vergessen zu essen – Biografische Essensgestaltung

Die biografische Essensgestaltung bezieht sich auf die Idee, dass die Wahl von Nahrungsmitteln und Gerichten auf der Grundlage von Erinnerungen und Erfahrungen der Person dazu beitragen kann, die Wahrnehmung von Wohlbefinden und Identität zu verbessern.

Die biografische Essensgestaltung kann dazu beitragen, dass die Person sich besser mit der Umgebung verbunden und verstanden fühlt und dazu beitragen, ein Gefühl von Wohlbefinden und Identität zu fördern.

Hier sind einige Tipps zur biografischen Essensgestaltung, nicht nur für Menschen mit Demenz:

  • Erforschen Sie die Vergangenheit und Erfahrungen der Person: Fragen Sie die Person nach ihren bevorzugten Gerichten oder Nahrungsmitteln aus ihrer Kindheit oder aus vergangenen Zeiten. Finden Sie heraus, welche Lebensmittel oder Gerichte mit positiven Erinnerungen oder Erfahrungen verbunden sind.
  • Beziehen Sie kulturelle oder regionale Einflüsse ein: Wenn die Person aus einem anderen Land oder einer bestimmten Region stammt, berücksichtigen Sie dies bei der Wahl von Nahrungsmitteln und Gerichten.
  • Schaffen Sie eine Umgebung, die an vergangene Zeiten erinnert: Verwenden Sie zum Beispiel Dekorationen oder Musik, die an eine bestimmte Zeit in der Vergangenheit erinnern.
  • Berücksichtigen Sie die individuellen Ernährungsbedürfnisse: Stellen Sie sicher, dass die gewählten Nahrungsmittel und Gerichte auch den individuellen Ernährungsbedürfnissen der Person entsprechen.
  • Verwenden Sie einfache Rezepte: Stellen Sie sicher, dass die verwendeten Rezepte einfach und leicht verständlich sind, um Überforderung zu vermeiden.

2. Menschen mit Demenz vergessen zu essen – Biografische Gerichte

Die Wahl biografisch passender Gerichte hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel den individuellen Ernährungsbedürfnissen, Vorlieben und kulturellen Hintergründen der Person. Hier sind jedoch einige Gerichte, die bei vielen 80-jährigen Menschen in Deutschland aufgrund ihrer Herkunft oder kulturellen Prägung beliebt sein können:

  • Kartoffelsuppe: Ein klassisches deutsches Gericht, das oft mit Speck oder Würstchen serviert wird.
  • Bohneneintopf, Gemüsesuppen,
  • Rindfleisch-Gulasch: Ein herzhaftes Gericht aus Rindfleisch, das oft mit Kartoffeln oder Nudeln serviert wird
  • „Falscher Hase“ (Hackbraten), Rinderrouladen
  • Königsberger Klopse: Fleischklöße in einer cremigen Kapernsauce, oft mit Kartoffeln oder Reis serviert.
  • Bratkartoffeln mit Spiegelei: Ein einfaches, aber beliebtes Gericht, das oft als Frühstück oder Abendessen gegessen wird.
  • Sauerkraut: Ein beliebtes Beilagen-Gericht aus fermentiertem Kohl, oft in Kombination mit Bratwurst oder Schweinefleisch serviert.
  • Apfelstrudel: Ein klassisches deutsches Dessert, das oft mit Vanillesauce oder Sahne serviert wird.
  • Grießbrei, Apfelspätzle, Milchreis, Götterspeise, Puddings

Es ist wichtig, die individuellen Vorlieben und Einschränkungen der Person zu berücksichtigen, um eine biografisch passende Mahlzeit zu kreieren. Darüber hinaus können auch Erinnerungen an besondere Ereignisse oder traditionelle Gerichte aus der Vergangenheit der Person berücksichtigt werden.

3. Menschen mit Demenz vergessen zu essen – „Eat by walking“

Wenn ein(e) BewohnerIn Schwierigkeiten hat, ruhig zu sitzen und eine Mahlzeit zu sich zu nehmen, können kleine und einfach zu handhabende Lebensmittel wie Fingerfood oder kleine Snacks hilfreich sein. Hier einige Ideen:

  • Gemüsesticks wie Karotten, Gurken oder Paprika mit einem leichten Dip oder Hummus.
  • Pfannkuchenrollen mit kalorienreichem, schmackhaften Belag in fingerpassende Häppchen geschnitten.
  • Kleine Sandwiches oder Klappstullenwie Hühnchen- oder Eiersalat-Sandwiches, in kleine, handliche Portionen geschnitten
  • Früchte wie Beeren, Trauben oder Bananen, die leicht zu greifen und zu essen sind.
  • Müsliriegel, die als Snack zwischendurch verzehrt werden können. (Gebißpflege danach nicht vergessen)
  • Joghurt oder Pudding, die in kleinen Bechern oder Schalen serviert werden können. (hochkalorische und eiweißangereicherte, geschmacksneutrale Pulver können untergemischt werden)
  • Kleine Fleischbällchen oder Hackfleischpasteten, die einfach mit den Händen gegessen werden können.
  • Trinkpausen beim Wandern einplanen, da es wichtig ist, dass die Person ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt. Kleine Flaschen, Trinkbecher oder Strohhalme hilfreich sein, um das Trinken einfacher und angenehmer zu machen.

4. Menschen mit Demenz vergessen zu essen – Tagesstrukturierung kann helfen

Eine klare Tagesstrukturierung kann bei Menschen mit Demenz dazu beitragen, eine Verwirrung zu minimieren und ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Orientierung zu geben. Hier sind einige Tipps zur Tagesstrukturierung:

  • Routinen schaffen: Versuchen Sie, feste Zeiten für Mahlzeiten, Medikamente, Aktivitäten und Ruhezeiten zu schaffen, um eine Vorhersehbarkeit im Tagesablauf zu schaffen.
  • Anpassung an die Interessen und Fähigkeiten: Berücksichtigen Sie die individuellen Interessen und Fähigkeiten der Person bei der Planung von Aktivitäten und Aufgaben.
  • Einfache und wiedererkennbare Aufgaben: Geben Sie der Person einfache und vertraute Aufgaben, wie das Zusammenlegen von Kleidung oder das Schälen von Gemüse, Schnippeln von Salat, Tischdecken und -abräumen, Spülmaschine aus- und einräumen
  • Bewegung und Aktivitäten: Regelmäßige Bewegung und Aktivitäten können die Gesundheit fördern und dazu beitragen, dass die Person sich ausgeglichen und zufrieden fühlt. Hierfür eignen sich z.B. Spaziergänge oder leichte Übungen.
  • Essen und Gemeinschaft: Es kann auch hilfreich sein, die Umgebung ruhig und stressfrei zu gestalten, um das Essen und Trinken zu erleichtern.
  • Soziale Interaktion: Eine regelmäßige soziale Interaktion kann dazu beitragen, dass sich die Person engagiert und verbunden fühlt. Hierfür können z.B. Gespräche mit anderen Menschen, Spiele oder gemeinsame Aktivitäten eingesetzt werden. Konfliktpotential muss vermeidbar sein.
  • Erholung und Entspannung: Es ist wichtig, auch Zeit für Erholung und Entspannung einzuplanen, um Überforderung zu vermeiden. Hierfür können z.B. ruhige Aktivitäten wie Lesen, Musik hören oder einfache Entspannungsübungen eingesetzt werden.

5. Menschen mit Demenz vergessen zu essen – förderliches Verhalten der Mitarbeiter

Die Essensgestaltung kann zu einer Herausforderung werden, deshalb ist es wichtig Ruhe zu bewahren. Mitarbeiter können unterstützend wirken:

  • Eine ruhige Atmosphäre schaffen und ruhig bleiben d.h. langsam und gemäßigt gehen und bewegen
  • Essen in kleinen Portionen servieren. Wer eh keinen Hunger hat, ist schon satt wenn die Portionen zu groß sind
  • Essen leicht zugänglich machen ggf. fertige, appetitliche, kleine Portionen bereitstellen
  • Essen ansprechend präsentieren ggf. farbenfroh und attraktiv anrichten, Düfte nutzen
  • Geduldig sein, denn es kann länger dauern, bis Menschen mit Demenz ihre Mahlzeiten zu Ende gegessen haben
  • üfte: Düfte von Essen können den Appetit anregen. Überlegen Sie, ob das Essen aromatisch zubereitet werden kann.
  • Hilfe anbieten beim Schneiden und Portionieren
  • Attraktive Getränke bereitstellen
  • Krankenbeobachtung Nahrungsaufnahme und jede relevante Veränderung an den Arzt weiterleiten

Mit diesen Maßnahmen wird sich einiges zum Positiven verändern.

Passende Seminare:

Hinweis der Dozentin: Jeden Beitrag habe ich gemäß meiner Erfahrung und meines Wissens geschrieben. Seit 23 Jahren sehe ich in meinen Seminaren als Dozentin für Pflegeberufe jährlich >1500 Mitarbeiter. Für Stammkunden – teilweise über Jahre – arbeite ich an den Konzepten der Mitarbeiterentwicklung mit. Aus diesem Blickwinkel sind meine Beiträge entstanden und das Angebot meines Wissens. Manche Vereinfachung von Sachverhalten, auch kleinere Unschärfen gehen an die Kürze und leichte Verständlichkeit der Berichte. Ein Blick in meine Seminarausschreibungen geben mehr und genauere Informationen, mehr noch in den Seminaren selbst. Andere Berufsgruppen in der Bewohner- und Patientenversorgung mögen eine unterschiedliche Sichtweise haben, die ich schätze und auch gerne für beide Seiten bereichernd diskutiere. Schreiben Sie an info@horvath-pflege.com.

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