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Demenz und Passivität: Infos und Tipps für Pflege- und Betreuungskräfte

Demenz und Passivitaet

Aktivierung bei Demenz und Passivität: Infos und Tipps für die Pflegevisite

Im Rahmen einer dementiellen Entwicklung kommt der Moment an dem sich Betroffene ihrer Defizite bewusst werden. Häufig reagieren sie dann mit Rückzug oder Konfabulationen. Sie nutzen Worte, Sätze, Redewendungen oder Satzbausteine um das Vergessen zu verstecken. Dadurch möchten sie verhindern, dass ihr Umfeld die Defizite merkt. Anfangs schränkt die Demenz das Leben nur unwesentlich ein. Das Kurzzeitgedächtnis lässt nach, Worte werden vergessen, Gedächtnisspiele vermieden. Sofern der Mensch vorher schon eher passiv dem Leben gegenüberstand, wird sich dies im Lauf der dementiellen Entwicklung schnell verstärken.

Das heißt: Passivität bei Demenz ist normal.

Deshalb sind Infos und Tipps für Pflege- und Betreuungskräfte ein anhaltender Prozess für Pflegevisiten und Teamgespräche.

Medikamente zur Heilung einer Demenz gibt es nicht. Im Anfangsstadium werden verzögernde Therapien eingesetzt, Botenstoffersatz. Im weiteren Verlauf wird der  Medikamenteneinsatz symptomatisch. Spätestens jetzt gewinnt die aktivierende Betreuung, Beschäftigung, basales Aktivieren an Wichtigkeit.

Prof. Böhm (psychobiografisches Modell) sagt: „Bewege die Seele dann bewegt sich der Körper“

Aktivierende Betreuungsangebote müssen sorgfältig ausgesucht werden. Wird die Seele nicht berührt, stimmt der Mensch nicht zu. Interessante Ansätze finden sich in einem Artikel zum Thema.

Ein Antrieb, der sehr häufig gut klappt: Menschen möchten sich gebraucht fühlen.

Reagieren demente Menschen positiv auf Ideen und Angebote gibt es unzählige Beschäftigungseinheiten, die Freude machen und einen Sinn haben. Ein Zusatznutzen entsteht, wenn die Aufgabe für die Gemeinschaft ausgesucht ist und Lob und Anerkennung aus der Bewohnergruppe kommt.

Ein Beispiel: im Wohnbereich stehen für 4 Wochen ein offener Stall mit 3 Hasen als Leihgabe. Bewohner werden stimuliert unter Anleitung die Hasen zu füttern und den Stall zu putzen. Es gibt immer Bewohner mit einer entsprechenden Biografie, die sich um diese Tiere kümmern, sofern sie nicht die Verantwortung übernehmen müssen.

Denn: Im Gegensatz zum gelebten Leben geht es dann um Freude, nicht um Pflichterfüllung

Freude kann bei vielen Aktivitäten aufkommen: Singen, Malen, Musik hören, backen, tanzen, Märchenerzählungen, Puppenspiel, kleine Konkurrenzspiele mit Gewinnen. Soweit klar bleibt, dass die Regie über die Dauer der Aktivität beim dementen Menschen bleibt, gibt es keine Unstimmigkeiten. Somit bleibt für Betreuungs- und Pflegekräfte die Aufgabe zu akzeptieren, dass der Weg das Ziel ist, nicht das angestrebte Ziel der Mitarbeiter.

Nicht alle Bewohnerinnen haben gern gekocht und Kartoffel geschält und nicht alle Bewohner gern im Garten gearbeitet – individuell ausgesuchte Angebote sind daher wichtig.

Zusätzlich ist es häufig kritisch Gruppenbeschallung und -beschäftigung auszusuchen. Da die Bedürfnisse des einzelnen dementen Menschen in den Hintergrund treten.

Aktivierung braucht Struktur und Wiederholbarkeit.

Sicherheit im Beziehungsaufbau gehört zu den wichtigsten Zugangswegen zum dementen Menschen. Eine feste Tagesstruktur mit wiederholbaren Zeiteinheiten und Tätigkeiten kann dementen Menschen eine innere Stärke und Zuversicht vermitteln.

Der zusätzliche Einsatz von basalem Aktivieren, das Ansprechen der Tiefenempfindung und alle Sinne wird dann bis in die späten Demenzstadien die Verbindung zum Bewohner halten können.

Einige meiner Seminare für Betreuungskräfte thematisieren Aktivierung: