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Macht und Machtmissbrauch – eine Gefahr für Pflegekräfte und Heilerziehungspfleger?

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Zitat aus dem „Kurier“/Österreich:

„Am Landesgericht St. Pölten beginnt am 25. Jänner 2023 ein mehrtägiger Prozess gegen vier Angeklagte um Vorfälle in einem Pflegeheim in Sitzenberg-Reidling (Bezirk Tulln). Drei Frauen und ein Mann sind wegen Quälens und/oder Vernachlässigens sowie sexuellen Missbrauchs wehrloser Personen und fortgesetzter Gewaltausübung angeklagt, teilte Gerichtssprecherin Birgit Eisenmagen mit. Es soll 20 Opfer geben.“

Wie kann es nur soweit kommen – denkt sich doch jeder, der solche Nachrichten betroffen liest.

Seit mehreren Jahren führe ich Seminare zum Thema „Gewalt und Aggression in Pflege und Betreuung“ durch. Aus verschiedenen Blickwinkeln, mit verschiedener Zielsetzung erarbeite ich mit Gruppen an der Entwicklung von deeskalierenden Maßnahmen für die Teamarbeit, sammele Risiken und Lösungen für ein Gewaltschutzkonzept oder wir öffnen einfach nur die Wahrnehmung und das Verständnis „Wo beginnt überhaut Zwang und Gewalt“ für Menschen in der Langzeitversorgung.

Macht und Machtmissbrauch kann ein ein großes Problem werden

Machtmissbrauch bei Menschen mit Behinderungen oder Menschen mit Demenz ist ein großes Problem in Einrichtungen der Pflege und Eingliederungshilfe aufgrund einer Reihe von Faktoren.

  • Machtlosigkeit: Menschen mit Behinderungen/Menschen mit Demenz können oft nicht für sich selbst sprechen oder ihre eigenen Interessen vertreten, was sie zu leichten Zielen für Machtmissbrauch macht.
  • Abhängigkeit: Viele Menschen mit Behinderungen, Menschen in pflegerischer Versorgung sind auf die Unterstützung anderer angewiesen, insbesondere bei täglichen Aktivitäten. Dies kann ein Machtungleichgewicht schaffen, da die Betreuer oder Pflegekräfte eine hohe Kontrolle über das Leben der Person haben.
  • Diskriminierung: Menschen mit Behinderungen oder auch Menschen mit Demenz sind oft diskriminiert und werden als weniger wertvoll betrachtet, was Machtmissbrauch erleichtert.
  • Fehlende Unterstützung: Es kann oft schwierig sein, Unterstützung für Menschen mit Behinderungen/Menschen mit Demenz zu finden, insbesondere wenn es um den Schutz vor Machtmissbrauch geht.

Vorkommen von Macht und Machtmissbrauch

Es ist schwierig, eine genaue Prozentzahl für den Machtmissbrauch bei Menschen mit Behinderungen anzugeben, da es oft unentdeckt bleibt und nicht gemeldet wird. Studien zeigen jedoch, dass Menschen mit Behinderungen einem höheren Risiko ausgesetzt sind, Opfer von Machtmissbrauch zu werden, als die Allgemeinbevölkerung.

  • Laut einer Studie des US-amerikanischen Department of Health and Human Services betrug die Rate des Missbrauchs bei Menschen mit geistiger Behinderung mehr als dreimal so hoch wie bei Menschen ohne Behinderung. Eine andere Studie aus Großbritannien fand heraus, dass bis zu 75% der Menschen mit Behinderungen in einigen Formen von Missbrauch oder Ausbeutung involviert sind.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Zahlen nur die gemeldeten Fälle von Machtmissbrauch darstellen und dass die tatsächliche Anzahl deutlich höher sein kann.

  • Studien zeigen außerdem, dass die Wahrscheinlichkeit von Misshandlungen in Pflegeheimen höher ist als in anderen Einrichtungen. Eine Studie aus dem Jahr 2016, die in den USA durchgeführt wurde, ergab, dass fast 44 Prozent der befragten Pflegeheimbewohner mindestens einmal im Jahr körperlich misshandelt wurden. Andere Studien haben ähnliche Ergebnisse gezeigt, was darauf hinweist, dass Machtmissbrauch und Missbrauch bei Menschen mit Demenz ein weit verbreitetes Problem in Pflegeheimen darstellen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass Machtmissbrauch bei Menschen mit Behinderungen und Menschen mit Demenz ein ernstes Problem ist und dass Schritte unternommen werden müssen, um es zu bekämpfen. Dazu gehört unter anderem die Förderung der Selbstbestimmung und Unabhängigkeit von Menschen mit Behinderungen, sowie die Stärkung ihrer Rechte und die Verhinderung diskriminierender Praktiken. Jeder Fall von Misshandlung oder Machtmissbrauch ist unakzeptabel ist und unverzüglich gemeldet werden sollte, um sicherzustellen, dass solche Vorfälle schnellstmöglich unterbunden werden.

Präventionsmaßnahmen um Machtge- und Machtmissbrauch zu verhindern

Es gibt einige Maßnahmen, die ergriffen werden können, um Machtmissbrauch in Pflegeeinrichtungen zu verhindern:

  • Ausbildung und Schulung des Personals: Das Pflegepersonal sollte regelmäßig über die Bedeutung von Menschenrechten und Ethik im Umgang mit pflegebedürftigen Menschen geschult werden.
  • Überwachung und Kontrolle: Es sollte regelmäßige Überwachung und Kontrolle der Pflegeeinrichtungen durch unabhängige Stellen geben, um sicherzustellen, dass alle Vorgaben eingehalten werden.
  • Transparente Kommunikation: Es sollte offene und transparente Kommunikation zwischen Pflegebedürftigen, ihren Familien und dem Pflegepersonal geben, um Probleme schnell erkennen und lösen zu können.
  • Überprüfung und Überwachung von Beschwerden: Es sollte ein effektives Verfahren für die Überprüfung und Überwachung von Beschwerden über Machtmissbrauch und Misshandlung eingerichtet werden.
  • Jeder Verdachtsfall muss beachtet, verfolgt und geklärt werden.
  • Unterstützung für Pflegebedürftige und ihre Familien: Pflegebedürftige und ihre Familien sollten ihre Rechte kennen und informiert sein, wie Hilfe zu holen ist bei Misshandlung und Machtmissbrauch.

Alle Beteiligten – von Pflegebedürftigen und ihren Familien bis hin zu Regierungsbehörden und Pflegeeinrichtungen – müssen zusammenarbeiten, um Machtmissbrauch in Pflegeeinrichtungen zu verhindern. Es ist auch wichtig, dass Pflegebedürftige und ihre Familien ihre Rechte kennen und nicht zögern, Machtmissbrauch oder Misshandlung zu melden.

Zur Schulung des Personals habe ich folgende Seminar-Angebote:

Hinweis der Dozentin: Jeden Beitrag habe ich gemäß meiner Erfahrung und meines Wissens geschrieben. Seit 23 Jahren sehe ich in meinen Seminaren als Dozentin für Pflegeberufe jährlich >1500 Mitarbeiter. Für Stammkunden – teilweise über Jahre – arbeite ich an den Konzepten der Mitarbeiterentwicklung mit. Aus diesem Blickwinkel sind meine Beiträge entstanden und das Angebot meines Wissens. Manche Vereinfachung von Sachverhalten, auch kleinere Unschärfen gehen an die Kürze und leichte Verständlichkeit der Berichte. Ein Blick in meine Seminarausschreibungen geben mehr und genauere Informationen, mehr noch in den Seminaren selbst. Andere Berufsgruppen in der Bewohner- und Patientenversorgung mögen eine unterschiedliche Sichtweise haben, die ich schätze und auch gerne für beide Seiten bereichernd diskutiere. Schreiben Sie an info@horvath-pflege.com.
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